Eine neu durchdachte Produktionskette, in der keine neuen Rohmaterialien verbraucht, sondern 100% Industrieabfälle genutzt werden, haben Wissenschaftler der Bergischen Universität Wuppertal ermittelt. „RegRess“– ein Teilprojekt unter dem Projektdach „Urbane Produktion im Bergischen Städtedreieck“ hat damit ein erstes beispielhaftes Projekt auf den Weg gebracht.
Das Kreislaufprodukt
Entstanden ist ein typisch bergisches Produkt: ein Küchenmesser. Beim Herstellungsprozess wird das genutzt, was in anderen Produktionen „abfällt“, es werden keine neuen Rohmaterialien verbraucht:
– Aus verschlissenen Kreismessern aus hochwertigem Stahl, werden Rohlinge „geschnitten“ (durch ein Unternehmen vor Ort ausgelasert). Es muss nicht erneut energie- und ressourcenaufwendig Stahl erzeugt werden.
– Kunststoffreste aus einem anderen Unternehmen werden zu einem Griff gespritzt.
– Schliff, nachhaltige Verpackung und Vertrieb erfolgen durch weitere Unternehmen.
Die kooperativ arbeitenden Unternehmen stammen alle aus dem Bergischen Städtedreieck, die Wege sind kurz, Materialien werden nicht entsorgt, sondern in neuem Kontext eingesetzt: Entstanden ist eine beispielhafte ressourceneffiziente und resiliente Wertschöpfungskette. Ökologische Effekte: Es wird nur ein Siebtel der Energie für die Herstellung benötigt, der Wasserverbrauch reduziert sich auf ein Hundertstel, der CO2-Fußabdruck auf ein Sechstel, keine Transportwege.

RegRess – Regionales Ressourcenmanagement
Die Projektidee: Roh- und Abfallmaterialien aus Herstellungsprozessen der metallverarbeitenden Industrie im Bergischen Städtedreieck können von mehreren Unternehmen „gemeinsam“ genutzt werden. Dazu müssen zum Beispiel die speziellen Legierungen, die bei einer Produktion abfallen, identifiziert und hinsichtlich einer Weiternutzung in einer anderen Produktion überprüft werden. Im Rahmen des Projekts werden verarbeitende Betriebe erfasst, auf ihre Materialien hin untersucht und Verknüpfungen hergestellt. So können mögliche Stoffströme „in Gang“ gesetzt werden. Das Projekt ist offen für alle Unternehmen in der Region. Das Zirkelmesser ist ein erstes beispielhaftes Produkt, dass die Projektidee anfassbar macht.

Beteiligte: Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH, FGW Forschungsgemeinschaft Werkzeuge und Werkstoffe e. V., Bergische Universität Wuppertal, Fakultät für Maschinenbau und Sicherheitstechnik, Lehrstuhl für Neue Fertigungstechnologien und Werkstoffe sowie der Lehrstuhl für Produktsicherheit und Qualitä

Urbane Produktion…
….ist das Dach von sieben Einzelprojekten in Remscheid, Solingen und Wuppertal, die zusammen Pilotvorhaben mit Mehrwert in die Stadt bringen – für soziales, nachhaltiges, vernetztes, innovatives und wirtschaftliches Produzieren. RegRess ist eins dieser Projekte. Ferner gehören dazu eine Machbarkeitsstudie für urbane Lebensmittelproduktion ohne Abfälle, eine gläserne Werkstatt, die hochwertige heimische Produkte präsentiert. Wie kreatives Potenzial für Produktionsideen aus Menschen herausgelockt werden kann – damit u.a. beschäftigt sich das Wuppertaler Projekt „Neue Urbane Produktion“. Weitere Projekte: InSym-Industrielle Symbiose beschäftigt sich mit „symbiotischem“ Produzieren in der Industrie, die „Schmiede für Urbane Manufakturen“ bietet Raum zum Ausprobieren und das ToolLab führt junge Menschen an modernes Handwerk heran. Es geht um eine Vielzahl kleiner Unternehmen, Initiativen und Wissenschaft, die zusammenarbeiten, sich gegenseitig unterstützen, inspirieren und innovative Ideen generieren –für eine kleinteilige, beispielhafte und nachhaltige Wirtschaftsentwicklung.

Das Projekt „Urbane Produktion im Bergischen Städtedreieck – Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und Quartiersentwicklung“ wird vom NRW-Wirtschaftsministerium und von dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert. Laufzeit des Projektes ist bis Ende 2022. Es wird koordiniert von der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft.

Beteiligte Unternehmen „Zirkelmesser“

  • TKM GmbH bringt verschlissene Kreismesser in den Prozess ein.
  • A. Schmersal GmbH & Co. liefert Kunststoffreste für die Griffe. „Wir denken, dass das ein tolles Projekt ist, zu dem wir bei Schmersal sehr gern einen Beitrag geleistet haben“, sagt Kubilay Garipoglu, Fertigungsmeister bei Schmersal. „Denn die Verantwortung für die Umwelt gehört nicht nur zu unseren zentralen Unternehmenswerten, sondern wir setzen diesen Leitgedanken auch durch konsequentes Recycling sowie durch zahllose weitere Umweltprojekte in unserer Produktion um.“
  • Hans Mensler Blechverarbeitung GmbH lasert die Messer aus den Kreismessern heraus.
  • Bei der Franz Güde GmbH werden die Messer geschliffen.
  • Die Hermann & Schmachtenberg GmbH fertigt den Kunststoffgriff.
  • Die Frank Fischer GmbH liefert die nachhaltige Verpackung.
  • Bergische Universität Wuppertal: Initialisierung, Verknüpfung der Restströme Intralogistik, Prozesskette und Produktgestaltung

Das Projekt „Urbane Produktion im Bergischen Städtedreieck – Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und Quartiersentwicklung“ wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.